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Mittwoch, 19. März 2014

Happy im häppies


Sie heißen Bärbel [wie die Oma], Mathias, Julia, Gabriel, Ben oder wahlweise Netti - sind zumeist herzhaft gefüllt und ein wahres Leckerli! Hübsch aussehen tun sie noch dazu, die kleinen Germknödel von Uli Marschner. Und obwohl die süße Netti [die nach der Schwester von Uli - der Mama der keinen häppies - benannt ist] der einzige "süße" Germknödel auf der Speisekarte ist und somit [eigentlich] heraussticht, ist sie gleichzeitig ihr "Stiefkind", wie Uli sie liebevoll nennt. Aber nicht etwa, weil sich Netti zwischen ihren deftig gefüllten Geschwistern nicht wohl fühlt - vielmehr, weil Netti urspünglich mit weißer Schokolade & Minze gefüllt war und damals nicht so recht ankam, beim breiten Publikum. 

Kaum vorstellbar, denn die Mischung aus Schoki und Minze lässt mir beim bloßen Gedanken schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Allerdings verbindet ein Großteil der Bevölkerung Germknödel zwangsläufig mit Pflaumenmus und Vanillesoße. Und so kam es, dass Netti heute ganz traditionell mit Pflaumenmus-Füllung, Vanille-Orangenpudding und Mohnzucker serviert wird. Außer, Uli Marschner lässt sich zwischendurch eine extravagante und nicht ganz so gewöhnliche Begleitung für ihre Netti einfallen. Wie zum Beispiel heute: Als ich nämlich in ihrem Laden stehe und neben der deftigen Bärbel die süße Netti bestelle, sagt sie schnell: "Ich hätte dazu eine ganz wunderbare Soße aus brauner Butter und Kardamom - die MUSST du probieren. Außer natürlich, du möchtest die langweile Variante" - zwinkert sie mir frech zu. Und so entscheide ich mich also für die Netti, die heute alles andere als gewöhnlich daher kommt. Kein Fehler - wie ich an dieser Stelle schon mal anmerken möchte :)

Meine liebste Freundin Anna entscheidet sich ebenfalls für den Germknödel mit Ziegenkäsefüllung und zusätzlich für Ben, der in einer Mango-Kokossauce schwimmt. Den wollte ich anfangs eigentlich auch essen - aber zweimal das gleiche zu bestellen hat uns Uli - ja - man könnte es "verboten" nennen :) "Das ist doch langweilig" - meint die 31-Jährige. "Dann könnt ihr ja gar nicht voneinander probieren." Sagt's und verschwindet in der Küche - während wir es uns in ihrem kleinen & total gemütlichen Laden bequem machen.


Da sitzen wir also und schlürfen an der absolut göttlich schmeckenden Vanille-Rhabarber-Limo - die übrigens Uli's Papa Axel selbst herstellt - wie wir von Marta [Uli's Freundin] erfahren. Diese betritt im genau richtigen Moment das häppies in der Dunckerstraße 85. Meine Freundin Anna und ich haben so viele Fragen an die Germknödel-Mama [da kommt wohl das journalistische Gemüt in uns durch] - aber Uli ist - nach eigner Aussage: "multitasking unfähig". Und da sie gerade unser Mittagessen zubereitet, muss Marta eben herhalten, und alles bis ins kleinste Detail erzählen. Deshalb an dieser Stelle: ein herzliches Dankeschön, liebe Marta

Und so erfahren wir, dass alles vor rund vier Jahren angefangen hat. Uli lebte damals als Werbetexterin in Hamburg. Und in einer ihrer "Phasen" - ihr müsst wissen: Uli bleibt gern mal "auf etwas hängen", wie sie uns später erzählt - waren es eben tiefgekühlte Germknödel, von denen sie nicht mehr los kam. Gefüllt mit Pflaumenmus. Was sonst! Es gibt sie ja nur in dieser Form im Supermarkt. Dass Uli irgendwie auf den klassischen Germknödeln hängen geblieben ist und diese Phase wohl noch immer anhält, zeigt ihr Netti auf der Speisekarte :) Dem klassischen Germknödel hat Uli sowieso irgendwie alles zu verdanken. Und deshalb finde ich es ganz großartig, dass es den Netti-Häppie gibt. Denn damit hat schließlich alles angefangen. 

Dreimal täglich hat Uli sich von Nettis Geschwistern aus dem Supermarkt um die Ecke ernährt - nicht die schlechteste Wahl, wie sie uns ausdrücklich versichert. Sie fand die gekauften Germknödel - wenn sie denn richtig zubereitet waren [und hier gilt: auf gar keinen Fall in der Mikrowelle - dann schmecken sie nämlich wie Pappe - versichert uns Marta] nämlich echt lecker. Sonst hätte sie sich wohl nicht mehrere Wochen davon ernährt. Irgendwann war ihr das Ganze dann aber zu fad. Und nicht nur die Tiefkühl-Germknödel hatte sie satt - auch ihren Job. Und so schmeißt sie alles hin und geht für ein halbes Jahr reisen. Durch Thailand und Indien. Unter anderem.

Der Gedanke an Germknödel beschäftigt sie aber auch fernab der Heimat. Und geht sogar noch weiter: "Wieso gibt es eigentlich keine deftigen Germknödel?" - eine Frage, die sie sich immer und immer wieder stellt. Wie es der Zufall so will, trifft sie auf ihrer Reise durch Südostasien Simone - eine Köchin aus Neuseeland. Diese wiederum ist ganz angetan von Uli's Idee [wobei ich mich gerade frage: kennen Neuseeländer überhaupt Germknödel??!] - diese Frage kam mir im häppies aber gar nicht in den Sinn - so gefesselt war ich von Marta's Erzählungen. Auf jedenfall sind die beiden Mädels dann gemeinsam nach Berlin gezogen, wo sie fortan fleißig Germknödel in der WG-Küche geformt haben. Mit den unterschiedlichsten Füllungen. Ich wär da ja gern einer der Testesser gewesen - denn die kleinen Klöße schmecken soooo lecker! Meine Bärbel hab ich schon fast vernascht...


Die Idee vom eigenen Germknödel-Laden nahm also immer mehr Form an. Voraussetzung dafür war aber natürlich ausreichend Startkapital. Welches in der Form nach einer sechsmonatigen Reise erstmal nicht vorhanden war. Und so startet Uli eine Crowdfunding-Aktion. Mehr als 10.000 Euro kamen auf diese Weise zusammen - Geld, das die Jungunternehmerin in ihren Laden steckt. Und dass Uli den sowohl wildfremden als auch sehr nahestehenden Menschen, die IHR Projekt unterstützt haben, sehr dankbar ist, zeigt eine der vier Wände im häppies: Dort ist jeder, der Geld in ihr Restaurant gesteckt hat, verewigt. In Form eines häppies. Wie sollte es auch anders sein. "Auch ich hab meinen eigenen häppie" - erzählt Marta stolz. "Seht ihr den kleinen mit den abstehenden lockigen Haaren und dem Herz auf der Brust? Das ist meiner!" 

Uli Marschner hat vor der Eröffnung ihres Ladens jeden "Sponsor" gefragt, was ihn happy macht. Marta's Antwort: "Kuscheln!" - "Das symbolisiert das kleine Herz auf der Brust meines häppies." Sagt sie und lächelt zufrieden.

In dem Moment kommt Uli mit meiner "Netti" aus der Küche - Bärbel habe ich mittlerweile regelrecht verschlungen. Während ich meinen süßen Germknödel esse, steht Uli hinter mir und schwärmt: "Sieht er nicht einfach hübsch aus?" - und ich denke mir: ja, liebe Uli - das tut er. Und sowieso fühlt man sich in deinem Laden wie in einer kleinen Zauberwelt. Geborgen und rundum wohl. häppie eben


häppies
Dunckerstraße 85
10437 Berlin

Geöffnet:
Dienstag - Freitag: 12-20 Uhr
Samstag + Sonntag: 12-18 Uhr

Aktuell auf der Speisekarte:
Gabriel: Bio-Hühnchen-Gorgonzola-Füllung, Aprikosen-Rosmarin-Sauce & Walnüsse
Mathias: Scharfe Bio-Schwein-Feigen-Füllung, Chillisauce & Koriander
Ben (vegan): Curry-Tofu-Füllung, Mango-Kokossauce & Peanuts
Bärbel: Ziegenkäse-Honig-Walnuss-Füllung, Rucolapesto & Cranberries
Julia: Wiener-Würstchen-Mozarella-Füllung, Tomatensauce & Parmesan
Netti: Pflaumenmus-Füllung, Vanille-Orangensoße & Mohnzucker

Dienstag, 3. Dezember 2013

Naschmarkt 2013

Süß, süßer, am süßesten – das war er, der Berliner Naschmarkt am ersten Adventwochenende. An rund 50 Marktständen haben allerhand Leckereien aus Berlin und dem Umland – zumindest kulinarisch – die Weihnachtszeit eingeläutet. Alles handgemacht und in bester Qualität – Slow Food eben.


Unter ihnen auch Laura von der Berliner „Makrönchen Manufaktur“. Seit drei Jahren stellt sie die kleinen Macarons nun schon her – und ich muss zu meiner Schande gestehen: ich hab vor meinem Besuch in der Markthalle Neun noch nie von diesen kleinen Leckerein gehört. Auf dem Naschmarkt sind sie mir tatsächlich zum ersten Mal begegnet! Unfassbar!!! Diese Tatsache konnte ich so natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Deshalb bin ich schnurstracks zu dem hübsch aussehenden Makrönchen-Stand und hab einfach mal nachgefragt, um was genau es sich hierbei denn eigentlich handelt. Und: BINGO – ich bin genau bei der richtigen „Macarons-Produzentin“ gelandet: Laura Leising!

Laura hat die süßen Makrönchen sozusagen nach Berlin gebracht. Zuvor war die Hauptstadt nämlich "macaronfreie Zone". Rund drei Jahre ist das jetzt schon her. Als sie die kleinen Kekse bei ihrem London-Urlaub zum ersten Mal probiert hat, dachte sie sich: die back ich doch glatt mal nach! 


Ganz so einfach war das zunächst aber nicht… Viele Rezepte hat Laura ausprobiert, bis sie schließlich ein Makrönchen in den Händen hielt, das vollkommen ihren Vorstellungen entsprach. „Anfangs war es ziemlich schwierig. Ich hab natürlich auch viele nicht besonders leckere Exemplare produziert“, erzählt mir die 32-Jährige. Doch irgendwann hatte Laura dann den Dreh raus: „Die Herstellung ist relativ heikel. Der Baiserteig muss nämlich eher trocknen als backen.“ 

Makrönchen brauchen eben neben Liebe und Zuneigung vor allem eines: Zeit. Und diese Handarbeit hat natürlich auch ihren Preis. Ein Makrönchen kostet immerhin 1,30 Euro.

Was einst als Geschenk für Freunde begann, hat Laura mittlerweile professionell aufgezogen. In ihrer Berliner Makrönchen Manufaktur backt die gelernte Hotel-Fachfrau seit Januar 2012 selbst. Und das mit allergrößter Leidenschaft.


Von Vanille, über Espresso-Macchiato, schwarzer Johannisbeere, Zitrone, Rose oder weihnachtlichen Schoko-Lebkuchen Makrönchen – die Auswahl ist wirklich RIESIG! Noch dazu schmecken die Kekse einfach himmlisch. Ich hab das klassische Vanille-Makrönchen probiert und muss sagen: traumhaft! Federleicht kommt es daher, außen sind die beiden Mandelbaiserschalen schön knusprig, innen ganz zart und die leckere Creme setzt dem Ganzen das Krönchen auf! Nicht zu süß, dafür unglaublich geschmackvoll!

Ich nenn die Makrönchen zwar liebevoll „Kekse“, laut Laura stimmt das aber nicht ganz. „Es sind auch keine Petit Fours – es ist eben etwas ganz Einzigartiges!“

Einzigartig ist Lauras Makrönchen-Backstube in Berlin zwar mittlerweile nicht mehr – stolz ist sie aber allemal! Und zwar zurecht. Schließlich hat Laura die Macarons - oder Makrönchen, wie sie ihre kleinen Schätze nennt - nach Berlin gebracht.